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Was sind die HR-Trends für 2026

  • Autorenbild: Stanislaw Frik
    Stanislaw Frik
  • 15. Jan.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Jan.


2026 ist für HR kein Jahr der Schlagworte, sondern ein Jahr der Beweise. Kostendruck, Transformation und Technologie laufen parallel, sodass die Organisation nicht mehr fragt „Was habt ihr gestartet?“, sondern, „Was hat es gebracht?“ Genau in diesem Spannungsfeld wird KI zum Produktivitätshebel und People Analytics zum Steuerinstrument. Entscheidungen sollen schneller, Prozesse schlanker und Ergebnisse messbarer werden.


Gleichzeitig steigt der Druck auf die Führung. Sie muss Leistung sichern, Prioritäten setzen und Veränderungen umsetzen, ohne dabei das Vertrauen der Mitarbeitenden zu verspielen und sie auf dem Weg zu verlieren. Wer jetzt nur über Output steuert, bekommt oft leise, aber zuverlässig die Quittung innerer Kündigungen, Leistungsminderungen und Fluktuation.


Dieser Beitrag ist deshalb kein Trend-Bingo. Er zeigt, welche fünf Entwicklungen das Jahr 2026 wirklich prägen werden und was HR konkret besser machen muss, um Organisationen leistungsfähig zu halten und gleichzeitig Menschlichkeit zu schützen. Gleichzeitig steht HR selbst vor dem Realitätscheck und somit vor der eigenen Herausforderung, sich nicht zu verlieren und in alte Rollenmuster zurückzufallen.



KI und People Analytics

KI im HR ist 2026 kein „spannendes Experiment“ mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Sie wird in immer mehr HR-Prozesse eingebaut. Im Recruiting, Mitarbeiterservice, Vertragsmanagement und internen Kommunikation. Es entstehen neue Möglichkeiten für Geschwindigkeit und Qualität, aber auch neue Risiken. Verzerrungen, Datenschutzprobleme oder falsche Entscheidungen. Die Konsequenz ist, dass man am Ende Vertrauensverlust bei Mitarbeitern und Führungskräften hat. Wer jetzt klare Spielregeln, Verantwortlichkeiten und Mindeststandards etabliert (Datenqualität, Transparenz, Freigaben, Schulungen), kann die Mitarbeitenden bei der neuen Herausforderung begleiten. Wer es laufen lässt, bekommt Schattenprozesse, Diskussionen mit Stakeholdern und am Ende teure Korrekturen.


KI macht Vorschläge,

entscheiden und verantworten muss es der Mensch.


People Analytics wird 2026 zum Steuerhebel. Weg vom Reporting „So war es“, hin zu steuerungsrelevanten Frühindikatoren „So entwickelt es sich, und das sind die Stellhebel“. 2026 wird HR sichtbar besser sein müssen, um die drei Dinge Datenqualität, gute Fragestellungen und konkrete Maßnahmenketten zusammenzubringen. Ein kurzer Ausschnitt aus People Analytics.

  • Bei Fluktuation heißt das, nicht erst reagieren, wenn Kündigungen auf dem Tisch liegen, sondern Muster (z. B. bestimmte Teams, Rollen oder Standorte) frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern. Somit kommt es gar nicht erst zur Kündigung.

  • Bei Überstunden geht es nicht darum, Mehrarbeit zu dokumentieren, sondern Risiken sichtbar zu machen. Wo sind Überstunden dauerhaft hoch, wo kippt Planbarkeit, wo entsteht chronische Überlastung?

  • Beim Krankenstand gilt das gleiche Prinzip. Zahlen allein helfen nicht. Entscheidend ist, zu verstehen, warum sich Fehlzeiten häufen. Etwa durch Schichtmodelle, Belastungsspitzen, mangelhafte Vertretung oder Führungsthemen. Erst danach können daraus Maßnahmen abgeleitet werden, die die Arbeitsfähigkeit wirklich stabilisieren oder verbessern.


People Analytics ist mehr als ein Dashboard. Es hilft nur dann, wenn HR und Führung die daraus konsequent Entscheidungen ableiten und Maßnahmen umsetzen.


Mental Health, weg vom Tabu, rein in die Strategie

Mental Health sollte 2026 ein klarer Hebel sein. Sie entscheidet über Verfügbarkeit, Produktivität und am Ende auch über Mitarbeiterbindung. Gleichzeitig steigt der Druck weiterhin bei Unternehmen durch Transformation, Geschwindigkeit, KI-Einführung und internationalen Wettbewerb. Wer das ignoriert, zahlt doppelt. Mit langen Ausfällen und mit schleichender Leistungsminderung. Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt 2024 verdeutlichen, wie tiefgreifend diese Belastung inzwischen im Arbeitsalltag verankert ist.


Psychische Erkrankungen gehörten 2024 zu den größten Treibern von Arbeitsausfällen. Sie lagen auf Platz 3 der Erkrankungsgruppen mit den meisten Ausfalltagen und machten 17,4 Prozent aller Fehltage aus. Nur Atemwegs- sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachten insgesamt noch mehr Ausfallzeiten. Depressionen allein verursachten rund 183 Fehltage je 100 Beschäftigte. Die Mitarbeiter der Kindergärten und Pflegeheime sind besonders betroffen. Mitarbeitende in diesen sozialen Berufen hatten bis zu 71 Prozent mehr psychisch bedingte Fehlzeiten als der Durchschnitt!.²


Mentale Gesundheit ist kein „Zusatzprogramm“, sondern Teil der operativen Steuerung. Wenn Fehlzeiten, Überlastung und psychische Erkrankungen steigen, reicht es nicht, Benefits oder Resilienz-Workshops anzubieten.


Mental Health sollte kein Tabuthema sein, sondern als fester Bestandteil in die Gesundheitsstrategie integriert werden.


Upskilling, Reskilling und Cross-Skilling

Neben dem Thema KI prägte vor allem der Personalabbau die Schlagzeilen des Jahres 2025. Umso wichtiger wird deshalb 2026 der Perspektivwechsel „Weg von der Nachbesetzung, hin zu internen Entwicklungsmöglichkeiten". HR und Führung sollten sich mit den folgenden Fragen beschäftigen.


Welche Fähigkeiten werden wirklich benötigt, welche Rollen sind überholt und welche Aufgaben können vereinfacht, automatisiert oder gestrichen werden? Es gilt, Prozesse neu zu denken, Arbeit sinnvoll umzuverteilen und Teams gezielt auf wertschöpfende Aufgaben auszurichten. Gleichzeitig müssen Qualifikationen breiter gestreut werden, damit Ausfälle, Kündigungen oder Umstrukturierungen nicht sofort kritische Lücken reißen.


Es geht dabei nicht nur 2026 wettbewerbsfähig zu sein, sondern die Organisation so aufzustellen, dass sie auch 2027, 2028 und in den folgenden Jahren wettbewerbs- und leistungsfähig bleibt.


Wertschätzung und Empathie weiterhin in der Führung Programm

In Zeiten von KI, Personalabbau und engen Budgets sollten Wertschätzung und Empathie 2026 in der Führung keine Buzzwords sein, sondern gelebte Praxis. Es ist verführerisch, Menschen nur noch über Zahlen und Output zu steuern. Die Rechnung kommt schnell, innere Kündigung, sinkende Leistung und im Zweifel Fluktuation.


Wertschätzung wirkt dabei nur, wenn sie auf individueller oder Team Ebene ankommt. Ein Lob endet mit dem Satz, echte Wertschätzung erreicht darüber hinaus den Menschen. Empathie heißt ebenfalls nicht „alles durchgehen lassen“, sondern die Gedanken und Emotionen des Gegenübers nachvollziehen zu können und genau auf dieser Basis aufzubauen und zu führen.


Die Rolle von HR in 2026

HR braucht 2026 weiterhin einen langen Atem, um seine strategische Rolle und Haltung zu vertiefen. Damit dies gelingt können folgende Impulse dabei helfen.


Menschenbild statt Ressourcendenken

Das klingt banal ist aber in Sanierungs- und KI-Zeiten entscheidend. Wenn Mitarbeiter nur noch als „Headcount“ oder „Kostenstelle“ betrachtet werden, verliert das Unternehmen die Menschen schnell. Bei Umstrukturierungen macht es einen Unterschied, ob HR nur Zahlen managt oder ob es zusätzlich dafür sorgt, dass Betroffene fair behandelt werden. Mit transparenten Kriterien, mit Gesprächen auf Augenhöhe, realistischen Lösungen und einem Bekennen, auch ich bin ein Mensch, kann der Mitarbeiter hinter seiner Rolle erreichen und das richtige Signal ins Unternehmen senden. Menschlichkeit sollte an der Stelle kein Benefit oder Buzzword sein.


Zusammenarbeit auf Augenhöhe

HR sollte Führung beraten und unterstützen, aber nicht als blinder Gehilfe der alles in der Praxis für möglich macht. Unterstützung heißt, Führungskräften Werkzeuge geben und strategisch beraten. Das heißt auch hier den eigenen Anspruch zu kennen und zu vertreten. Statt von allen gemocht werden zu wollen und ständig nach Bestätigung zu suchen, sollten Grenzen, Haltung und Entscheidungen klar kommuniziert und konsequent eingehalten werden. So entsteht eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Führungskräften auf Augenhöhe.


Wirksamkeit vor Aktivität

Wert entsteht, wenn HR Wirkung zeigt und sich fokussiert, anstatt parallel zehn Initiativen zu starten. Ein Pulse Survey, der jeden Monat Daten liefert, ist nutzlos, wenn daraus keine Maßnahmen folgen. Wirksam wird es erst, wenn HR gemeinsam mit Führung drei konkrete Hebel festlegt (z. B. Fluktuation verringern, Workload anpassen, Gesundheitsmaßnahmen ausarbeiten), Verantwortliche benennt und nach 60 Tagen überprüft, ob sich Überstunden, Krankenstand oder Fluktuation tatsächlich verändern. Statt zu versuchen auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, sollte das getan werden, was tatsächlich auch notwendig ist und Wirksamkeit zeigt.


Eigene Lernhaltung

2026 reicht HR-Fachwissen allein nicht mehr. HR sollte auch das Business verstehen (Wertschöpfung, Kosten, Kapazitäten), Daten lesen können (nicht Data Scientist, aber entscheidungsfähig), und HR-Tech pragmatisch nutzen (Automatisierung, Self-Service, Prozessdigitalisierung). HR sollte für sich aktiv Lernblocker setzen, um sich neue Themen anzueignen oder zu vertiefen. Die Ausrede ,,Ich habe dafür keine Zeit" gilt nicht mehr, da HR stets einen Wissensvorsprung braucht um zu beraten.


Verantwortung statt Delegation an Tools

KI und Analytics können Muster zeigen, Risiken markieren, Vorschläge machen, aber sie dürfen nicht die moralische und fachliche Verantwortung übernehmen. Wenn ein System ein „Fluktuationsrisiko“ ausrechnet, wäre nicht die richtige Reaktion „Streich die Entwicklung“ oder „Setz ihn auf eine Liste“, sondern ein Gespräch, Kontext prüfen, Arbeitsbedingungen verbessern und erst dann entscheiden. Die Haltung dahinter lautet "KI unterstützt und HR entscheidet". Das schützt Menschlichkeit und reduziert Fehlentscheidungen.


Mein Fazit

So leistungsfähig KI und die technischen Tools 2026 auch sind, sie dürfen HR nicht kälter machen, sondern präziser und menschlicher. Tools können Muster erkennen, Risiken markieren und Vorschläge liefern. Aber sie kennen keine Biografien, keine Teamdynamiken, keine stillen Überlastungen und keine individuellen Gründe hinter Zahlen. Genau deshalb bleibt der Mensch im Fokus.


KI im HR ist kein Selbstzweck. Sie ist dann gut eingesetzt, wenn sie HR Zeit gibt für das, was nicht automatisierbar ist. Wie Gespräche führen, faire Entscheidungen treffen und Begleitung in Veränderungen. 2026 wird HR daran gemessen, ob es trotz Transformation, Kostendruck und Technologie den Kern hält. Wer das konsequent lebt, macht HR nicht nur moderner, sondern glaubwürdiger und professioneller.






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